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Ätna Update (01.07. - 30.07.2021)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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30. Juli 2021

In der letzten Woche kam es am Südostkraterkomplex zu keinem Paroxysmus. Es ereignete sich jedoch eine kurze Phase strombolianischer Aktivität, wobei es auch zu einer kräftigen Explosion kam. Der Nordostkrater setzte vorübergehend kalte Asche frei. Der Tremor ist zuletzt auf mittleres Niveau gestiegen.

Der Südostkraterkomplex war in der vergangenen Woche zunächst von anhaltender Gasemission aus dem zentralen Krater zwischen altem und neuem Südostkrater geprägt. Dann kam es am Morgen des 28. Juli gegen 09:30 Uhr zu einer ersten Ascheemission. Es handelte sich dabei um bräunliches Material. Weitere kleine Emissionen folgten und das INGV vermeldete das Einsetzen strombolianischer Explosionen. Am Nachmittag ereigneten sich einige stärkere Explosionen, bei denen heißes Material bis auf die Flanken des Neuen Südostkraters geschleudert wurde. Eine davon war besonders intensiv und warf Bomben und Blöcke mindestens bis zur südöstlichen Basis des Komplexes aus. Der Tremor schwankte zwischen mittlerem und hohem Niveau, wobei er krampfartig auftrat und nicht wie beim Einsetzen von einem Paroxysmus eine rapide Steigerung zeigte. Am Abend nach Sonnenuntergang waren dann noch ein paar schwache Explosionen erkennbar und es zeigte sich auch etwas Glutschein über dem zentralen Krater, aber insgesamt nahmen Häufigkeit und Intensität der Explosionen wieder ab und hörten bald ganz auf. Am 29. Juli kam es zu weiteren kleineren Ascheemissionen, jedoch zu keiner nennenswerten strombolianischen Aktivität. Am 30. Juli wurde nur Gas emittiert.
Die Bocca Nuova setzte in der letzten Woche anhaltend und pulsartig verstärkt Gas frei. An der Voragine konnte ich keine Gasemission beobachten.
Am Abend des 26. Juli setzte der Nordostkrater zwischen 20:15 Uhr und ca. 21:30 Uhr anhaltend Asche frei. Es handelte sich dabei um eine graue bis dunkelgraue Säule, die keine thermischen Anomalien aufwies. Dank Windstille konnte sie mehrere tausend Meter nahezu senkrecht aufsteigen und wirkte dadurch relativ imposant. Entweder wurde sie durch Kollaps oder durch das Freiräumen der vermutlich kollabierten Schlote generiert. An den nachfolgenden Tagen konnte ich zunächst keine weiteren Emissionen mehr beobachten, jedoch wurde am 29. Juli wieder etwas Asche sowie vermehrt Gas freigesetzt.

Wie das INGV berichtet wurde bei dem Paroxysmus am Südostkraterkomplex, der sich am 20. Juli ereignete ein Lavastrom freigesetzt, der ein Volumen von 600.000 m3 hatte. Seine Länge betrug 1,6 Km und seine Front, die im Gebiet nördlich des Monte Frumento Supino stoppte, erreichte 2900 m hohes Gelände.
Wie weiter berichtet wurde konnten am 21. Juli am Nordostkrater einzelne Explosionen beobachtet werden, bei denen auch Asche emittiert wurde [1].

Das INGV hat die Produkte der paroxysmalen Phasen des Südostkraterkomplexes, die sich zwischen dem 26. Mai und 20. Juli ereignet haben einer chemischen Analyse unterzogen. Dabei zeigte sich, dass die Lava, die im Mai freigesetzt wurde höher entwickelt war als die Lava von Anfang April. Im Juni ging der Trend dann wieder zur Emission von primitiverer Lava. Während den ersten 15. Tagen des Julis blieb sie noch relativ primitiv, aber am 20. Juli wurde dann wieder höher entwickeltes Material freigesetzt, das in seiner Zusammensetzung der Lava vom Mai/Juni ähnelte [1].
Dies bedeutet, dass das Magma das im Mai emittiert wurde aus einem Reservoir in der Nähe des Südostkraterkomplexes stammte, während zum Juli hin wieder frisches Material aus größerer Tiefe aufstieg. Dieser Aufstieg scheint vorerst beendet zu sein, da am 20. Juli wieder älteres Magma beteiligt war. Auch der größere Abstand zwischen den Eruptionen deutet darauf hin.

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 19.07. bis 25.07. weiterhin eine leichte Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die Stationen des klinometrischen Netzwerks zeichneten während der paroxysmalen Phase vom 20. Juli leichte Veränderungen in der Neigung des Vulkangebäudes auf. Diese betrug an der Station Cratere del Piano (ECP) 2 Mikroradiant [1].

Die Messung der Infraschallaktivität zeigte während der paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes am 20. Juli eine hohe Anzahl an Ereignissen. Ansonsten kam es nur zu wenigen Ereignissen. Quelle war in diesem Fall die Bocca Nuova [1].

Im Zeitraum vom 19.07. bis 25.07. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau. Die Spitzenemissionsraten erreichten während der paroxysmalen Phase hohes Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) waren vergleichbar mit der Vorwoche und bewegten sich auf mittlerem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE waren in der letzten Woche zunächst relativ unauffällig. Am 28. Juli kam es dann mehrfach zu Phasen von kräftigem Rauschen, die zwischen 5 und 20 Minuten andauerten. Offenbar handelte es sich dabei um schubartig auftretenden Tremor. Ab dem 29. Juli kam es dann zu anhaltendem leichtem Rauschen.
Der Tremor bewegte sich bis zum 28. Juli auf niedrigem Niveau und schwankte anschließend ständig zwischen niedrigem und mittlerem, teilweise hohem Niveau, was durch sein schubartiges Auftreten verursacht wurde. Anschließend steigerte er sich weiter auf mittleres Niveau, unterlag jedoch keinen großen Schwankungen mehr [2].

Am 23. Juli wurde westlich von Bronte (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 1.5 registriert [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 19/07/2021 - 25/07/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

23. Juli 2021

Auch in der letzten Woche kam es zu einer paroxysmalen Phase am Südostkraterkomplex des Ätna. Sie verlief ganz ähnlich, wie die letzten Phasen. Die seismische Aktivität blieb unterdessen niedrig.

Am 17. Juli kam es am Südostkraterkomplex lediglich zu ruhiger Gasfreisetzung. Am 18. Juli wurde wiederholt dunkle Asche aus dem Schlot im großen zentralen Krater des Südostkraterkomplexes emittiert. Am frühen Morgen des 19. Juli ereigneten sich dort einige milde strombolianische Explosionen und am Tage zeigten sich weitere Ascheemissionen. Am späten Abend des 19. Juli verstärkten sich die strombolianischen Explosionen und wurden anhaltend. Dabei wurde glühendes Material auf die oberen Flanken des Kegels geschleudert. Bei Tagesanbruch zeigte sich am aktiven Schlot kräftige Gasemission, die mit etwas Asche durchsetzt war. Gegen 07:00 Uhr verstärkte sich die strombolianische Aktivität weiter und es wurde vermehrt dunkle Asche emittiert. Gleichzeitig begann ein schmaler Lavastrom durch die Bresche in der südwestlichen Flanke des Südostkraters zu fließen. Ab ca. 07:30 Uhr gingen die strombolianischen Explosionen in die Emission einer Lavafontäne über. Diese nährte eine dunkle Eruptionssäule, die auf ca. 6000 m Höhe aufstieg bevor sie vom Wind in südöstliche bis südliche Richtung getrieben wurde. Die Lavafontäne verstärkte sich weiter und ihre Höhe betrug mindestens 500 m. Gegen 10:00 Uhr fiel die Lavafontäne wieder zusammen. Es kam aber weiterhin zu strombolianischen Explosionen, die mit Ascheemissionen verbunden waren. Auch wurde noch Lava in südwestliche Richtung gefördert. Der Lavastrom dehnte sich oberhalb des Monte Frumento Supino in westliche und südliche Richtung aus. Gegen Mittag hörte die Freisetzung von Lava dann auf.
An den nachfolgenden Tagen zeigte sich am Südostkraterkomplex nur ruhige Gasemission. An den übrigen Gipfelkratern kam es in der letzten Woche zu den üblichen Gasfreisetzungen. Diese waren an der Bocca Nuova anhaltend und kräftig. Am Nordostkrater waren die Gasemissionen zeitweise etwas kräftiger als üblich.

Wie das INGV berichtet wurde bei dem Paroxysmus vom 14. Juli ein Lavastrom in südwestliche Richtung freigesetzt, der ein Volumen von 700.000 m3 hatte. Seine Front stoppte auf 2700 m Höhe und der Strom war 2,1 Km lang. Außerdem wurde ein kleiner Strom in südliche Richtung emittiert, der ein Volumen von 70.000 m3 hatte. Seine Front stoppte auf 3000 m Höhe [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen zeigte für den Zeitraum vom 12.07. bis 18.07. eine Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die Stationen des klinometrischen Netzwerks zeichneten während der paroxysmalen Phase vom 14. Juli leichte Veränderungen in der Neigung des Vulkangebäudes auf. Diese betrug an der Station Cratere del Piano (ECP) 2 Mikroradiant [1].

Die Messung der Infraschallaktivität zeigte während der paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes eine hohe Anzahl an Ereignissen. Während der Ruhephase kam es nur zu wenigen Ereignissen. Quelle war in diesem Fall die Bocca Nuova [1].

Im Zeitraum vom 12.07. bis 18.07. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau. Die Spitzenemissionsraten erreichten während den paroxysmalen Phasen hohes Niveau.
Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 12.07. und 18.07. auf mittlerem Niveau. Der seit Juli fallende Trend dauert an. Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 08. Juli bestimmt wurde, ergab mit 0.63 einen etwas niedrigeren Messwert, als bei der letzten Untersuchung [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten während der paroxysmalen Phase wie üblich kräftiges Rauschen, was durch den hohen Tremor verursacht wurde. Ansonsten waren in der letzten Woche gelegentlich schwache langperiodische Signale oder Signale, die durch Rutschungen von Geröll verursacht wurden zu sehen. Ab dem 18. Juli zeigten sich gehäuft Phasen von verstärktem Rauschen, die oft mehrere Minuten lang andauerten. Dieses Phänomen endete jedoch mit dem Einsetzen der paroxysmalen Phase am 19. Juli.
Der Tremor bewegte sich bis zum 18. Juli auf niedrigem Niveau und schwankte anschließend ständig zwischen niedrigem und mittlerem Niveau. Am 19. Juli nahm er weiter zu, unterlag jedoch immer noch großen Sprüngen. Am Abend des 19. Juli begann er dann kräftig zu steigen und erreichte am 20. Juli während dem Paroxysmus sehr hohes Niveau. Anschließend fiel er wieder auf niedriges Niveau, wo er sich bis heute hielt [2].

Am 20.07. wurde westlich von Ragalna (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 12/07/2021 - 18/07/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

16. Juli 2021

In der vergangenen Woche hat sich nur eine paroxysmale Episode am Südostkraterkomplex ereignet. Sie war erneut durch hohe Lavafontänen, sowie einem Lavastrom in südwestliche Richtung charakterisiert.

Am 10. und 11. Juli wurde aus dem aktiven Schlot im zentralen Krater des Südostkraterkomplexes anhaltend Gas und sporadisch etwas Asche emittiert. Bis zum Vormittag des 14. Juli kam es dann nur noch zu ruhiger Gasemission. Ab 11:40 Uhr verstärkten sich dann allmählich die Gasemissionen und kurz vor 12:00 Uhr begann sich graue Asche darunter zu mischen. Ab 11:54 Uhr zeigte die Montagnola-Wärmebildkamera des INGV die ersten strombolianischen Explosionen. Diese steigerten sich allmählich und es wurde immer mehr Gas, weißer Dampf und dunkle Asche emittiert. Um kurz vor 13:00 Uhr begann ein schmaler Lavastrom die Bresche in der südwestlichen Flanke des Südostkraterkomplexes zu verlassen. Zur gleichen Zeit ging die strombolianische Aktivität in die Freisetzung von Lavafontänen über. Diese nährten die Eruptionssäule, die sich inzwischen über dem Südostkraterkomplex entwickelt hatte, mit dunkler Asche. Die Eruptionssäule stieg auf ca. 5000 - 6000 m Höhe empor, bevor sie vom Wind in nordöstliche Richtung getrieben wurde. Dies führte zu Lapilli- bzw. Ascheregen im nordöstlichen Sektor des Vulkans. So wurde z.B. aus dem Gebiet des Rifugio Citelli Lapilli-Regen gemeldet und in in Taormina fiel Asche vom Himmel. Die Höhe der Lavafontänen betrug mindestens 500 m und es waren mindestens zwei Schlote aktiv. Bei einigen Explosionen wurden große Bomben bis auf die südliche Flanke des Zentralkraterkegels geschleudert. Der Lavastrom expandierte unterdessen in südwestliche Richtung. Gegen 14:30 Uhr fielen die Lavafontänen wieder zusammen. Anschließend kam es noch zu einigen explosiven Gas- bzw. Ascheemissionen.
Seit dem 15. Juli kommt es am Südostkraterkomplex lediglich zu ruhiger Gasemission. An den übrigen Gipfelkrater waren in der vergangenen Woche die gewohnten Gasemissionen zu sehen. Diese waren an der Bocca Nuova am stärksten.

Dieses Foto, das mir Herr T. Bretscher freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, zeigt den Paroxysmus vom 14. Juli während seinem Höhepunkt von der Bergstation der Seilbahn aus. Eine ca. 400 m hohe Lavafontäne schießt in den Himmel empor und gleichzeitig regnet pyroklastisches Material vom Himmel. Auch größere Bomben sind dabei. Durch die Einschläge bilden sich auf den Flanken des Südostkraterkomplexes kleine braune Staubwolken. Mindestens zwei Schlote sind gleichzeitig aktiv. Bläuliches Gas markiert in der linken Bildhälfte den Lavastrom, der durch die Bresche in südwestliche Richtung strömt:
400 m hohe Lavafontäne bei Paroxysmus
14.07.2021, 13:39 Uhr, © T. Bretscher

Inzwischen hat das INGV Daten bezüglich der Lavaströme, die während den letzten paroxysmalen Phasen eruptiert wurden, veröffentlicht:
Am 04. Juli wurde ein Volumen von 900.000 m3 gefördert. Die maximale Länge des Lavastroms betrug 1,8 Km und seine Front stoppte auf 2700 m Höhe an der Südflanke des Ätna. Am 06. Juli wurde ein Volumen von 400.000 m3 gefördert. Die maximale Länge des Lavastroms betrug 1,6 Km und seine Front stoppte auf 2900 m Höhe an der Südflanke des Ätna. Am 08. Juli wurde ein Volumen von 700.000 m3 gefördert. Die maximale Länge des Lavastroms betrug 2,9 Km und seine Front stoppte auf 23450 m Höhe and der Südwestflanke des Ätna [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 05.07. bis 11.07. eine Fortdauer des Trends zur leichten Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die Stationen des klinometrischen Netzwerks zeichneten während den paroxysmalen Phasen leichte Veränderungen in der Neigung des Vulkangebäudes auf. So wurde an der Station Pizzi Deneri eine Veränderung der Neigung um 1 Mikroradiant und an der Station Cratere del Piano um 3 Mikroradiant gemessen [1].

Die Messung der Infraschallaktivität zeigte während den paroxysmalen Phasen des Südostkraterkomplexes eine hohe Anzahl an Ereignissen. Während den Ruhephasen kam es nur zu wenigen Ereignissen. Quelle war in diesem Fall die Bocca Nuova [1].

Im Zeitraum vom 05.07. bis 11.07. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater weiterhin auf mittlerem Niveau. Während den paroxysmalen Phasen stiegen die Spitzenemissionsraten auf hohes Niveau. Im gleichen Zeitraum gingen die Chlorwasserstoffemissionen zurück und fielen auf unteres Niveau. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) unterlagen zwischen dem 05. und 11. Juli weiterhin einem fallenden Trend [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten während der paroxysmalen Phase wie üblich kräftiges Rauschen, was durch den hohen Tremor verursacht wurde. Ansonsten zeigten sich gelegentlich schwache langperiodische Signale oder Signale, die durch kleine Erschütterungen (vermutlich Rutschungen von Geröll) verursacht wurden.
Der Tremor bewegte sich bis zum 13. Juli auf niedrigem Niveau und stieg am Morgen des 14. Juli auf mittleres Niveau an. Am Vormittag begann er dann rapide zu steigen und erreichte während dem Paroxysmus hohes Niveau. Es war jedoch nicht so hoch wie bei der letzten paroxysmalen Phase [2].

Am 14.07. wurde südwestlich von Bronte (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 05/07/2021 - 11/07/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

10. Juli 2021

Am 06. Juli hatte ich die Gelegenheit die Gipfelkrater zu besuchen. Wegen der zu erwartenden Aktivität des Südostkraterkomplexes stieg ich von der Westflanke der Voragine auf und vermied den Aufenthalt im südöstlichen bis südlichen Abschnitt des Zentralkraterkegels. Weitere Fotos, die ich während den letzten Tagen aus verschiedenen Perspektiven machen konnte ergänzen diesen Fotobericht.

Bocca Nuova:
Die Bocca Nuova ist nahezu ständig mit Gas gefüllt was einen Blick in die Tiefe sehr erschwert. Während den kurzen Momenten in denen die Gaskonzentration niedriger ist kann man dennoch den Kraterboden sehen. Er ist noch etwas tiefer als bei meinem Besuch im letzten Jahr, was durch ein allmähliches Absinken hervorgerufen wurde. Auf dem Kraterboden sind zwei große Öffnungen mit nahezu senkrechten Wänden erkennbar. Eine im nordwestlichen Sektor und eine im südöstlichen Sektor. Diese beiden Krater sind fast zusammengewachsen und die die dünne Trennwand besitzt bereits eine V-förmige Einbuchtung. Aus den Kratern wird anhaltend, jedoch geräuschlos Gas emittiert. Im südlichen Sektor der Bocca Nuova fallen die inneren Wände nahezu senkrecht ab. Im westlichen und östlichen Abschnitt befinden sich dagegen mehrere Stufen und im nordöstlichen bis nördlichen Abschnitt existiert eine große Rampe. Sie stammt von den Lavaströmen aus dem Intrakraterkegel der Voragine, die sich dort während der effusiven Aktivität in den ersten Monaten des vergangenen Jahres ergossen hatten. Inzwischen sind sie teilweise mit gelben Schwefelablagerungen überzogen.

Blick vom nordwestlichen Rand der Bocca Nuova hinunter auf die beiden Öffnungen im Kraterboden
06.07.2021 15:10 Uhr
Blick vom nordwestlichen Rand der Bocca Nuova hinunter auf die beiden Öffnungen im Kraterboden. Diese Schlote sind fast zusammengewachsen und setzen anhaltend Gas frei. In der linken Bildhälfte erkennt man die Rampe aus überlappenden Lavaströmen, die im vergangenen Jahr aus der Voragine emittiert wurden. (Wegen der hohen Gaskonzentration wurde dieses Foto nachbearbeitet.)
Innere südliche und westliche Kraterwand der Bocca Nuova
06.07.2021 15:18 Uhr
Während die innere südliche Kraterwand der Bocca Nuova nahezu senkrecht abfällt besitzt die Westliche (rechte Bildhälfte) mehrere Stufen.
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine hinunter in die Bocca Nuova
06.07.2021 15:59 Uhr
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine hinunter in die Bocca Nuova. Trotz hoher Gaskonzentration kann man den südöstlichen Schlot erkennen. (Wegen der hohen Gaskonzentration wurde dieses Foto nachbearbeitet.)
Blick vom westlichen Rand der Voragine nach Nordosten auf einen flachen Kegel
06.07.2021 15:27 Uhr
Blick vom westlichen Rand der Voragine nach Nordosten auf einen flachen Kegel. Während sein nördlicher Abschnitt frei von Schwefelablagerungen ist, sind sie im Süden deutlich ausgeprägter.

Voragine:
Durch die Entwicklung des Intrakraterkegels (aktiv vom September 2019 bis August 2020) hat sich die Morphologie der Voragine im Vergleich zum Sommer 2019 drastisch verändert. Bei meinem letzten Besuch im August 2020 produzierte einer der Schlote des Intrakraterkegels noch strombolianische Explosionen und so war damals ein direkter Besuch unmöglich. Wo sich 2019 noch ein tiefer Krater befand hat sich durch die anhaltende explosive und effusive Aktivität ein komplexer Kegel mit mehreren Schloten entwickelt. Direkt unterhalb des nordwestlichen Kraterrands der Voragine befindet sich ein flacher Kegel, der aus großen aufgeplatzten Blöcken besteht und mit Schlackebrocken übersäht ist und eher die Merkmale eines Domes aufweist. Er hat in seinem südlichen Abschnitt schöne Schwefelablagerungen. Hier gibt es einige Fumarolen und Hitze steigt auf. Südlich schließt sich ein schmaler Lavastrom an, dessen aus grobem Geröll und Blöcken bestehende Oberfläche ebenfalls mit viel Schwefel überzogen ist. Weiter östlich befindet sich ein deutlich besser ausgeprägter Krater, der im nördlichen Abschnitt frei von Schwefelablagerungen ist, diese aber ebenfalls an seiner Südseite aufweist. Er ist mit frisch aussehendem schwarzem pyroklastischem Material ausgekleidet und dadurch nicht sonderlich tief. Seine inneren Wände fallen dennoch teilweise senkrecht ab und erlauben den Blick auf zahlreiche Schichten aus Asche, die sich mit grobem Material abwechseln. Der Krater ist inaktiv und nur an seiner südlichen und östlichen Flanke setzen Fumarolen etwas Gas frei. Es handelt sich um den zentralen Krater des Intrakraterkegels. Wenige Meter vom östlichen Rand des Kraters entfernt befindet sich in nordöstlicher Richtung ein flacher Krater. Lediglich sein nördlicher Rand ist ausgeprägt und mit Schwefel überzogen. Auch er ist völlig inaktiv. Die westliche Kraterwand der Voragine ist gegenüber früheren Jahren nur wenig verändert. Die inneren Wände sind mit Schwefel- und Gipsablagerungen überzogen und Fumarolen setzen Gas frei. Sie sind insbesondere in Richtung Bocca Nuova, wo immer noch ein markanter Felsen an das frühere Diaframma (Trennwand zwischen Voragine und Bocca Nuova) erinnert, ausgeprägt. Auf dem westlichen Kraterrand zieht sich ein Spaltensystem in nördliche Richtung bis zum Nordostkrater, das Hitze und Schwefeldioxid emittiert. Weitere Spalten, die auch früher (nach der 2016-Aktivität) bereits existierten, verlaufen nördlich der Voragine parallel dazu, sind aber nicht mehr so aktiv wie im Jahre 2019. Der nordöstliche bis östliche Kraterrand der Voragine ist mit pyroklastischem Material, sowie einem Gemenge aus Bomben und kleinen Blöcken überzogen, das aus dem Intrakraterkegel stammt. Auch hier finden sich viele Schwefelablagerungen. Der Intrakraterkegel fällt im Süden zunächst steil, dann flacher und in eine Rampe übergehend zur Bocca Nuova hin ab.

Blick vom westlichen Rand der Voragine nach Nordosten auf einen flachen Kegel
06.07.2021 15:27 Uhr
Blick vom westlichen Rand der Voragine nach Nordosten auf einen flachen Kegel. Während sein nördlicher Abschnitt frei von Schwefelablagerungen ist, sind sie im Süden deutlich ausgeprägter.
Der flache Kegel weist Strukturen auf, die an einen Lavadom erinnern
06.07.2021 15:36 Uhr
Der flache Kegel weist Strukturen auf, die an einen Lavadom erinnern. Er besitzt große aufgeplatzte Blöcke. An einigen Stellen steigt hier noch Hitze auf.
Schmaler Lavastrom Südlich des flachen Kegels in der Voragine
06.07.2021 15:36 Uhr
Südlich des flachen Kegels schließt sich ein schmaler Lavastrom an, der aus groben Blöcken besteht und mit viel Schwefel überzogen ist.
Zentraler Krater des Intrakraterkegels der Voragine von Westen
06.07.2021 15:35 Uhr
Östlich des flachen Kegels befindet sich ein deutlich besser ausgeprägter Krater, der im nördlichen Abschnitt frei von Schwefelablagerungen ist. Es handelt sich hierbei um den zentralen Krater des Intrakraterkegels.
Blick vom östlichen Rand der Voragine auf den zentralen Krater des Intrakraterkegels
06.07.2021 15:58 Uhr
Blick vom östlichen Rand der Voragine auf den zentralen Krater des Intrakraterkegels. Er ist mit frisch aussehendem pyroklastischem Material ausgekleidet. Seine Wände sind relativ steil und zeigen Schichtungen im Wechsel aus Asche und grobem Material.
Flacher Krater der sich nordöstlich an den zentralen Krater des Intrakraterkegels anschließt
06.07.2021 15:58 Uhr
Nordöstlich an den zentralen Krater des Intrakraterkegels schließt sich ein flacher Krater an (Bildmitte) bei dem nur der nördliche Rand ausgeprägt ist. Direkt dahinter befindet sich der Nordostkrater.
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine nach Nordwesten mit westlichem Kraterrand der Voragine
06.07.2021 15:59 Uhr
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine nach Nordwesten. Rechts der zentrale Krater des Intrakraterkegels und links davon seine obere südliche Flanke. Dahinter der westliche Kraterrand der Voragine. Die steile Wand endet zur Bocca Nuova hin in einem alten Felsen, der kräftige Fumarolen besitzt. Es ist ein Relikt des Diaframma, das früher die Voragine von der Bocca Nuova trennte.
Im Gebiet nördlich der Voragine ziehen sich Spalten von Nord nach Süd
06.07.2021 15:39 Uhr
Im Gebiet nördlich der Voragine ziehen sich Spalten von Nord nach Süd. An einigen Stellen wird hier Hitze und Gas emittiert.

Nordostkrater:
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Nordostkrater nur wenig verändert. An seinem südlichen Rand befindet sich nach wie vor ein breiter Graben, der Hitze emittiert und von Schwefelablagerungen überzogen ist. Er wird zur Voragine hin schnell flacher, da er mit pyroklatischem Material aufgefüllt ist. Die Kraterränder hängen meist über und der Krater selbst hat steile Wände, die trichterförmig abfallen. Der Kraterboden ist zumindest vom Südrand her nicht einsehbar. Nur wenige Fumarolen emittieren Gas und aus der Tiefe steigt fast kein Gas auf und es sind auch keine Explosionsgeräusche wahrnehmbar.

Blick aus südlicher Richtung auf den Nordostkrater mit breitem Graben im Vordergrund
06.07.2021 15:46 Uhr
Blick aus südlicher Richtung auf den Nordostkrater. Im Vordergrund der breite Graben, der sich zum Nordostkrater schnell vertieft und in ihn mündet. Er ist mit Schwefelablagerungen überzogen und emittiert Hitze.
Blick auf den inneren östlichen Kraterrand des Nordostkraters
06.07.2021 15:44 Uhr
Blick auf den inneren östlichen Kraterrand des Nordostkraters. Häufig hängen die Ränder über und die Kraterwände sind sehr steil.
er Kraterboden des Nordostkraters ist vom südlichen Rand aus nicht einsehbar
06.07.2021 15:48 Uhr
Der Kraterboden des Nordostkraters ist vom südlichen Rand aus nicht einsehbar. Es wird kaum Gas freigesetzt und Explosionsgeräusche sind ebenfalls nicht zu hören.

Südostkraterkomplex:
Durch die große Anzahl an paroxysmalen Phasen (über 50 innerhalb eines halben Jahres) hat sich der Südostkraterkomplex im Vergleich zum Juli 2020 stark verändert. Markantestes Merkmal war damals der Sattelschlot zwischen altem und neuem Südostkrater. Auf Grund anhaltender strombolianischer Aktivität hatte sich um diesen herum ein prägnanter Schlackenkegel entwickelt. Durch die ersten paroxysmalen Phasen im Dezember 2020 wurde dieser Krater pulverisiert und es bildete sich ein länglicher zentraler Krater, der in eine tiefe Bresche mündet, die in der Südwestflanke des Komplexes klafft. Der Krater zieht sich von Südwest nach Nordost, wo er an den Gipfelkrater des Neuen Südostkraters grenzt. Durch heftige paroxysmale Phasen im Februar und März wuchs dann der bereits sehr markante Neue Südostkrater noch etwas weiter in die Höhe. Auf seiner Ostflanke entwickelte sich eine tiefe Bresche, durch die sich Lavaströme in das Valle del Bove ergossen und in der sich auch temporäre, effusiv tätige Schlote entwickelten.
Ab Mitte Mai begannen dann die paroxysmalen Phasen im Krater, der sich an der Stelle des ehemaligen Sattelschlots befand. Das pyroklastische Material lagerte sich auf dem Kegel des Neuen Südostkraters ab und erhöhte diesen weiter und verschüttete die Bresche in der Ostflanke zum größten Teil. Auch der alte Südostkrater wurde weiter mit pyroklastischem Material überzogen und ist nun nur noch von Westen aus schemenhaft in alter Gestalt erkennbar. Durch die heftige Aktivität mehrerer Schlote innerhalb des länglichen Kraters wurde dieser immer tiefer bzw. seine Umgebung immer weiter erhöht. So ist ein imposanter Kegel emporgewachsen und dieser dürfte mittlerweile der höchste Punkt des Ätna sein.
Die freigesetzten Lavaströme wurden überwiegend durch die Bresche in südwestliche Richtung emittiert und führten so zur Entwicklung einer Rampe, die sich fächerförmig in südwestliche Richtung ausdehnt. Durch überlappende Lavaströme wurde das Gelände nördlich des Monte Frumento Supino deutlich erhöht und fällt zu dem alten Kegel hin inzwischen recht steil ab. Die Lavarampe ist mit grober Schlacke, großen Lavabomben und Blöcken überzogen. Aber auch die südliche Basis des Südostkraterkomplexes hat sich durch Lavaströme und insbesondere großen Mengen an Lapilli und Asche weiter erhöht und der Nordrand des Monte Barbagallo "ertrinkt" allmählich in diesem Material. Der nördliche Abschnitt des Monte Barbagallo ist mit zahlreichen kleinen Bomben und Lapilli überzogen. Darunter finden sich vereinzelt auch Xenolithe, die aus hellem Sediment bestehen. Frische Bomben finden sich aber auch noch im Gebiet östlich davon bis hinunter auf 2700 m Höhe, sowie auf dem südöstlichen bis südlichen Rand des Zentralkraterkegels (Bocca Nuova).
Die Auswirkungen der paroxysmalen Phasen sind aber auch noch im ehemaligen Piano del Lago und im Valle del Bove sichtbar. So wurde während einem Paroxysmus am 01. April 2021 ein Lavastrom nach Osten emittiert, der sich entlang der Lava vom April 2017 zunächst in südliche Richtung bewegte und dann nördlich vom Cisternazza und wenige Meter südlich der 2017-Lava in das Valle del Bove abbog. Während den paroxysmalen Phasen des Neuen Südostkraters im Februar und März dieses Jahres ergossen sich die Lavaströme in das Valle del Bove in das Gebiet knapp nordwestlich der Monti Centenari. Dadurch wurde der letzte sichtbare Krater der Monti Centenari (Eruption 1852), der das Gesicht des oberen Valle del Bove seit langer Zeit prägte nahezu verschüttet. Nur noch sein südlicher Rand ragt aus der Lava empor. Lapilli und Asche hinterlassen ihre Spuren aber nicht nur in der direkten Umgebung des Südostkraterkomplexes, sondern finden sich noch reichlich in etlichen Kilometern Entfernung bis hinunter zu den Ortschaften an den Flanken des Ätna. Dort wird die Asche zu einem immer größeren Problem für die Bevölkerung.
Blick vom Schiena dell'Asino nach Nordwesten auf den gewaltigen Südostkraterkomplex
03.07.2021 11:16 Uhr
Blick vom Schiena dell'Asino nach Nordwesten. Der Südostkraterkomplex ist durch die Serie von über 50 paroxysmalen Phasen innerhalb eines halben Jahres deutlich gewachsen und dominiert nun als "schwarzer Riese", den Gipfelbereich des Ätna.
Blick über den nördlichen Krater des Monte Barbagallo hinweg auf den Südostkraterkomplex
04.07.2021 12:35 Uhr
Blick über den nördlichen Krater des Monte Barbagallo hinweg auf den Südostkraterkomplex. Aus seinem länglichen zentralen Krater wird anhaltend Gas emittiert. Links davon erkennt man die Rampe aus überlappenden Lavaströmen, die sich fächerförmig in südwestliche Richtung ausdehnt.
Lavarampe bei Bresche des Südostkraterkomplexes
04.07.2021 12:40 Uhr
Die Lavarampe ist mit grobem Geröll überzogen, das während der paroxysmalen Phasen aus mehreren Schloten innerhalb der Bresche bzw. des länglichen Kraters ausgeworfen wird.
Zoom auf hohen dunklen Kegel des Südostkraterkomplexes
04.07.2021 12:41 Uhr
Um die Bresche bzw. den länglichen zentralen Krater herum ist ein enormer Kegel emporgewachsen, der mittlerweile der höchste Punkt des Ätna sein dürfte.
Die südliche Basis des Südostkraterkegels
04.07.2021 12:43 Uhr
Die südliche Basis des Südostkraterkegels ist durch Lavaströme und insbesondere große Mengen an Asche und Lapilli in die Höhe gewachsen. Im Vordergrund sieht man mehrere Holzpfähle aus der Asche ragen. Dort befanden sich früher Schilder, die vor dem Betreten der Gipfelkrater warnten, denn hier begann der Pfad zum Zentralkraterkegel. Sie sind nun im pyroklastischem Material ertrunken.
Die südliche Basis des Südostkraterkegels
04.07.2021 12:52 Uhr
Blick vom östlichen Rand des Monte Barbagallo hinab auf die Ebene, die sich nördlich des ehemaligen Piano del Lago erstreckt. Hier ist am 01. April ein Lavastrom aus dem Südostkraterkomplex parallel zur Lava vom April 2017 nach Süden geflossen und dann in das Valle del Bove abgebogen. Dadurch wurde die Ebene verkleinert und schon wieder verändert.
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine aus auf den Südostkraterkomplex
06.07.2021 15:53 Uhr
Blick vom südöstlichen Rand der Voragine aus auf den Südostkraterkomplex. Von hier aus kann man noch den Gipfel des alten Südostkraters erkennen. Dahinter ragt der dunkle Kegel empor, der sich um den zentralen länglichen Krater entwickelt hat, der dahinter liegt und darum von hier aus nicht sichtbar ist.
Blick von der Serra delle Concazze auf den Südostkraterkomplex
10.07.2021 13:16 Uhr
Auch von Osten her, hier von der Serra delle Concazze aus betrachtet, ist der Südostkraterkomplex sehr imposant. Die Bresche im Neuen Südostkrater, entstanden im diesjährigen Frühjahr, ist durch die jüngste Aktivität schon wieder fast komplett verschüttet. Rechts davon die Voragine und der Nordostkrater. (Wegen dunstiger Atmosphäre wurde dieses Foto nachbearbeitet.)
Blick auf restlichen Kegel der Monti Centenari
03.07.2021 10:19 Uhr
Durch die Lavaströme aus dem Neuen Südostkrater im Februar und März wurde der letzte sichtbare Kegel der Monti Centenari nahezu komplett verschüttet. Nur seine südliche Flanke ist noch erhalten.
Mit Asche bedeckte Straßenkreuzung
08.07.2021 18:52 Uhr
So wie diese Straßenkreuzung der SP 92 sehen viele Straßen an den Flanken des Ätna zurzeit aus. Durch die viele Asche, die durch die paroxysmalen Phasen freigesetzt wird ist vom Asphalt nichts mehr zu erkennen. Vor allem der Staub, den die Autos beim Fahren durch die Asche erzeugen, belastet die Lungen und wird zu einer immer größeren Plage und auch Gefahr für die Bevölkerung.


09. Juli 2021

Erneut kam es am Ätna zu einem Paroxysmus mit hohen Lavafontänen und einem Lavastrom in südwestliche Richtung.

Am 08. Juli setzte der Südostkraterkomplex zunächst lediglich ruhig Gas frei. Am Abend waren dann gegen 20:30 Uhr einige Ascheemissionen erkennbar. Bei Einbruch der Dunkelheit gegen 21:00 Uhr zeigte sich leichter Glutschein über dem zentralen Krater des Südostkraterkomplexes. Dann setzten erste, jedoch milde strombolianische Explosionen ein. Diese wurden nur langsam stärker und begannen ab ca. 22:30 Uhr vermehrt glühendes Material auf die Flanken des Kegels z schleudern. Die strombolianische Aktivität erfolgte aus zwei Schloten gleichzeitig. Gegen 22:40 Uhr begann ein schmaler Lavastrom die Bresche in südwestliche Richtung zu verlassen. Fünf Minuten später ging die strombolianische Aktivität in die Emission von Lavafontänen über. Diese wurden aus beiden Schloten gefördert, wobei die Fontänen aus dem unteren Schlot häufig schräg in westliche Richtung aus dem Berg schossen. Allmählich steigerte sich die Höhe der Lavafontänen auf ca. 700 m Höhe und es wurde vermehrt Asche ausgestoßen. Die Eruptionssäule aus Lapilli, Asche und Gas stieg dank wenig Wind bis auf 11.000 m Höhe auf und wurde dann in südliche bis südöstliche Richtung verfrachtet. Ascheregen wurde aus Zafferana, Linera und Pedara gemeldet. Im Laufe der Aktivität kam es zu einigen lauten Detonationen. Dabei wurden glühende Bomben weit in die Umgebung geschleudert. Einige gingen an der südwestlichen Basis des Zentralkraterkegels nieder und andere landeten auf dem Monte Frumento Supino bzw. auf dem Monte Barbagallo. Nach 23:30 Uhr dominierten Detonationen und pulsierende, aber sich abschwächende Lavafontänen das Eruptionsgeschehen. Gegen Mitternacht ging die explosive Aktivität dann zu Ende. Lava wurde jedoch weiterhin gefördert und nährte einen schmalen Lavastrom, der sich im Gebiet oberhalb des Monte Frumento Supino in südwestliche Richtung bewegte. Zwischen 01:00 Uhr und 02:00 Uhr produzierte der Südostkraterkomplex dann noch ein anhaltendes und lautes Donnergrollen, ohne dass auffällige eruptive Aktivität erkennbar war. Heute Vormittag war der Lavastrom auf ca. 2300 m hohem Gelände zum Stillstand gekommen, jedoch lösten sich im Gebiet nördlich des Monte Frumento Supino gelegentlich Lavablöcke und rollten dem Steilhang herab, der sich durch die sich überlappenden Lavaströme der letzten Wochen dort entwickelt hat.

Hier einige Fotos, sowie ein Video der paroxysmalen Phase, die ich am 08. Juli vom Piano Vetore (Südflanke) aus machen konnte:
Strombolianische Explosionen aus zwei Schloten
08.07.2021 22:22 Uhr
Seit über einer Stunde kommt es am Südostkraterkomplex zu strombolianischen Explosionen aus zwei Schloten, aber noch sind sie relativ schwach.
Schmaler Lavastrom verlässt die Bresche des Südostkraterkomplexes
08.07.2021 22:40 Uhr
Ein schmaler Lavastrom verlässt die Bresche des Südostkraterkomplexes in südwestliche Richtung.
Strombolianische Aktivität ist in die Förderung von Lavafontänen übergegangen
08.07.2021 23:02 Uhr
Die strombolianische Aktivität ist inzwischen in die Förderung von Lavafontänen übergegangen. Diese entweichen aus zwei Schloten gleichzeitig, wobei die aus dem oberen Schlot kräftiger und höher ist.
Lavafontänen erreichen nun eine Höhe von bis zu 700 m
08.07.2021 23:12 Uhr
Die Lavafontänen erreichen nun eine Höhe von bis zu 700 m!
Lavafontänen erreichen nun eine Höhe von bis zu 700 m
08.07.2021 23:19 Uhr
Nun treten erste Detonationen auf. Die Wucht dieser Explosionen schleudert glühende Bomben bis zur südwestlichen Basis des Zentralkraterkegels.
Freisetzung von Lavafontänen und großen glühenden Bomben
08.07.2021 23:24 Uhr, 39.5 MB, 20 s
Dieses Video zeigt die Freisetzung der Lavafontänen. Dabei werden auch große glühende Bomben weit in westliche Richtung ausgeworfen.

Die übrigen Gipfelkrater blieben in der vergangenen Woche relativ ruhig. Bei einem Besuch am 06. Juli konnte ich nur an der Bocca Nuova anhaltende Gasemission beobachten. Sie erfolgte aus einem großen zentralen Schlot auf dem Kraterboden. Die Voragine setzte lediglich aus einigen Fumarolen im nordwestlichen Abschnitt etwas Gas frei. Der Nordostkrater, dessen Boden nicht einsehbar war, emittierte kaum Gas.

Dieses Foto zeigt die Bocca Nuova vom westlichen Kraterrand aus. Sie besitzt einen zentralen Schlot aus dem anhaltend Gas entweicht (Foto extrem kontrastverstärkt wegen hoher Gaskonzentration):

06.07.2021 15:10 Uhr

Wie das INGV berichtet wurde bei dem Paroxysmus vom 28. Juni ein Lavastrom mit einem Volumen von 900.000 m³ freigesetzt. Er war 1,5 Km lang und seine Front stoppte auf 2780 m Höhe. Der Paroxysmus vom 01. Juli generierte einen Lavastrom mit einem Volumen von 400.000 m³. Seine Front erreichte 2650 m hohes Gelände und er hatte eine Länge von 1,9 Km [1].

Die Messung der Infraschallaktivität zeigte während der paroxysmalen Phase des Südostkraterkomplexes vom 28. Juni eine hohe Anzahl an Ereignissen. Während den anderen paroxysmalen Phasen wurden kaum Infraschallereignisse registriert was auf den starken Wind zurück zu führen ist [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 28.06. bis 04.07. eine Fortdauer des Trends zur leichten Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die Stationen des klinometrischen Netzwerks zeichneten während den paroxysmalen Phasen leichte Veränderungen in der Neigung des Vulkangebäudes auf [1].

Im Zeitraum vom 28.06. bis 04.07. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau. Die Spitzenemissionsraten erreichten während den paroxysmalen Phasen hohes Niveau. Der Trend zu einer Steigerung der Schwefeldioxidemissionen hält weiterhin an. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen zwischen dem 28.06. und 04.07. zurück. Der Trend zu steigenden Emissionen, der seit April andauerte, hat sich somit umgekehrt [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten jeweils nach den paroxysmalen Phasen gehäuft langperiodische Signale oder Signale, wie sie von schwachen Beben verursacht werden. Vermutlich kam es nach den Eruptionen zu kleineren Rutschungen des lockeren Materials.
Der Tremor stieg während dem Paroxysmus vom 01. Juli von niedrigem Niveau rapide auf sehr hohes Niveau. Anschließend schwankte er zwischen mittlerem und niedrigem Niveau und stabilisierte sich dann ab dem 02. Juli auf niedrigem Niveau. Auch am 04. Juli stieg der Tremor sehr schnell an, aber das Maximum war während dem Paroxysmus nicht ganz so hoch, wie das vom 01. Juli. Vor dem Paroxysmus vom 06. Juli bewegte sich der Tremor auf niedrigem Niveau und stieg während dem Paroxysmus auf sehr hohes Niveau. Es war deutlich höher als bei den vorhergehenden paroxysmalen Phasen. Am 08. Juli stieg der Tremor allmählich auf mittleres Niveau und schoss dann am Abend während dem Paroxysmus auf sehr hohes Niveau. Es war aber nicht ganz so hoch wie bei dem letzten Paroxysmus [2].

Am 06.07. wurde am Monte Grosso (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.6 gemessen. Zwischen dem 07.07. und 09.07. kam es im Raum Randazzo - Monte Spagnolo (Nordwestflanke) zu mehreren Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.9 hatte [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 28/06/2021 - 04/07/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.

07. Juli 2021

In der vergangenen Nacht kam es zu einem weiteren Paroxysmus am Ätna. Dieser war durch heftige Detonationen charakterisiert, die Bomben weit in die Umgebung auswarfen.

Am 05. Juli zeigte sich am Südostkraterkomplex lediglich anhaltende Gasfreisetzung. Auch am 06. Juli blieben die Schlote zunächst ruhig.
Am Abend gegen 23:00 Uhr begann der Tremor schnell zu steigen und um 23:30 Uhr kam es zu den ersten strombolianischen Explosionen. Sie ereigneten sich wieder an dem Schlot innerhalb des zentralen Kraters, der bei den paroxysmalen Phasen der aktuellen Serie der Hauptakteur war. Die Explosionen verstärkten sich allmählich und schleuderten glühendes pyroklastisches Material auf die Flanken des Kegels.
Kurz nach Mitternacht begann ein schmaler Lavastrom die Bresche in der südwestlichen Flanke des Südostkraterkomplexes zu verlassen. Er schlug einen südwestlichen Kurs ein und bewegte sich im Gebiet nördlich des Monte Frumento Supino.
Gegen 00:30 Uhr ging die strombolianische Aktivität in die Freisetzung von Lavafontänen über. Der Tremor stieg weiterhin rapide und erreichte sehr hohes Niveau. Die Lavafontänen verstärkten sich nun weiter und erreichten eine Höhe von mindestens 600 m. Die Eruptionssäule aus Lapilli, Asche und Gas stieg auf ca. 5000 m Höhe auf wurde vom Wind in süd-/südöstliche Richtung gebogen. Ascheregen wurde aus Nicolosi und Catania gemeldet. Der internationale Flughafen musste geschlossen werden, da die Pisten mit Asche überzogen waren. In Tremestieri regnete es sogar Lapilli. Ab ca. 00:44 Uhr war die eruptive Aktivität immer wieder von Detonationen durchsetzt, die große glühende Bomben weit in die Umgebung schleuderten. Einige gingen im Gebiet westlich des Monte Frumento Supino nieder. Zahlreiche landeten auf dem Monte Barbagallo und sogar im Gebiet östlich davon. Das INGV berichtet, dass im nördlichen Abschnitt des Monte Barbagallo Bomben mit einem Durchmesser von bis zu 1 m gefunden wurden. Im Gebiet östlich des Monte Barbagallo gingen Bomben mit mehreren zig Zentimeter Durchmesser nieder und zwar bis hinunter auf eine Höhe von 2700 m!
Nach 01:00 Uhr wurden auch immer wieder kleinere Lavafontänen aus mindestens einem weiteren Schlot, der sich im unteren Abschnitt der Bresche geöffnet hatte, emittiert. Diese stießen das Material häufig schräg (in westliche Richtung) aus. Diese Lavafontänen intensivierten sich und teilweise waren drei gleichzeitig aktiv. Ab 01:20 Uhr wurden die Lavafontänen kleiner bzw. traten unregelmäßig auf. Trotzdem kam es bis ca. 01:45 Uhr noch zulauten Detonationen, strombolianischen Explosionen und Aschefreisetzungen.
Der Lavastrom wurde noch bis ca. 03:00 Uhr genährt und seine Front kam auf ca. 2800 m Höhe, im Gebiet westlich des Monte Frumento Supino zum Stillstand. Er war deutlich kleiner, als der Strom der bei dem letzten Paroxysmus freigesetzt wurde.

Ich hatte das Glück diese Aktivität vom Piano Vetore (Südflanke) aus beobachten zu können. Hier einige Fotos:
Erste strombolianischen Explosionen
06.07.2021 23:47 Uhr
Seit ca. 15 Minuten kommt es am Südostkraterkomplex zu strombolianischen Explosionen. Das glühende Material wird von dem Schlot innerhalb des zentralen Kraters ca. 100 m über den Kegel geschleudert.
Strombolianische Aktivität geht nun in die Freisetzung einer Lavafontäne über
07.07.2021 00:33 Uhr
Die strombolianische Aktivität geht nun in die Freisetzung einer Lavafontäne über. Gleichzeitig wird verstärkt Asche emittiert. Seit 30 Minuten fließt ein Lavastrom durch die Bresche.
Detonationen schleudern große Bomben nach Westen und Osten
07.07.2021 00:44 Uhr
Immer wieder kommt es nun zu lauten Detonationen. Diese schleudern große Bomben nach Westen in das Gebiet westlich des Monte Frumento Supino, sowie nach Osten auf den Monte Barbagallo.
Die Intensität der Lavafontänen steigert sich weiter
07.07.2021 00:53 Uhr
Die Intensität der Lavafontänen steigert sich weiter und nun erreichen sie eine Höhe von ca. 600 m.
Weitere Schlote im unteren Abschnitt der Bresche öffnen sich
07.07.2021 00:57 Uhr
Weitere Schlote im unteren Abschnitt der Bresche öffnen sich, was mit Emission von Gas und Asche einher geht. Bald schießen neue Lavafontänen aus diesen Schloten. Ihr Auswurf ist oft nach Westen gerichtet.
Bis zu drei unterschiedliche Lavafontänen sind nun aktiv
07.07.2021 00:59 Uhr
Bis zu drei unterschiedliche Lavafontänen sind nun aktiv. Neben dem Getöse das sie verursachen, sind laute Detonationen hörbar.
Langsam beginnen sich die Lavafontänen abzuschwächen
07.07.2021 01:12 Uhr
Langsam beginnen sich die Lavafontänen abzuschwächen bzw. fluktuieren sehr stark. Die Detonationen werden jetzt aber noch intensiver und es wird noch mehr Asche ausgestoßen.


05. Juli 2021

Am Ätna haben sich zwei weitere paroxysmale Phasen ereignet. Neben Lavafontänen wurden auch wieder Lavaströme in südwestliche Richtung produziert.

Am 02. Juli setzte gegen 00:30 Uhr strombolianische Aktivität im Südostkraterkomplex ein. Die zunächst milden Explosionen konzentrierten sich wieder auf den Schlot im zentralen Krater, der auch während den gesamten paroxysmalen Phasen der aktuellen Serie am aktivsten war. Die explosive Aktivität steigerte sich innerhalb von nur 20 Minuten in die Emission von Lavafontänen. Kurz vor 01:00 Uhr setzte sich dann auch wieder ein Lavastrom in Bewegung, der sich durch die Bresche in der südwestlichen Flanke des Südostkraterkomplexes ergoss und dann weiter in südwestliche Richtung expandierte. Die Lavafontänen gewannen schnell an Höhe und erreichten mindestens 600 m. Der Niederschlag aus glühendem pyroklastischem Material ging auf dem gesamten Neuen Südostkraterkegel nieder und lies diesen weiter anwachsen. Die Eruptionssäule aus Lapilli, Asche und Gas stieg mindestens auf 6000 m Höhe empor und wurde in östliche bis südöstliche Richtung getragen. Ab ca. 02:15 Uhr fielen die Lavafontänen wieder in sich zusammen. Die Förderung von Lava dauerte aber noch einige Zeit an. Der Lavastrom war gut genährt und dehnte sich nördlich des Monte Frumento Supino in Richtung Südwest, dann Süd aus.
Am 03. Juli setzte der Südostkraterkomplex lediglich anhaltend Gas frei. Am 04. Juli kam es zunächst auch nur zu ruhiger Gasemission. Gegen 16:50 Uhr begann ein Schlot innerhalb der südwestlichen Bresche des Südostkraterkomplexes, der auch bei den letzten Paroxysmen Lavafontänen freisetzte, pulsartig verstärkt Gas zu emittieren. Fünf Minuten später kam es am bisher aktiven Schlot zu einer ersten Ascheemission und kurze Zeit danach setzten strombolianische Explosionen ein. Diese steigerten sich innerhalb von 15 Minuten kräftig und begannen glühendes Material auf die Flanken des Südostkraterkomplexes zu schleudern. Es begann auch sofort Lava durch die Bresche zu fließen. Diese strömte dann über eine Rampe, die sich durch die Lavaströme der zahlreichen paroxysmalen Phasen inzwischen gebildet hatte und expandierte weiter in westliche bis südwestliche Richtung. Gegen 17:25 Uhr gingen die strombolianischen Explosionen in die Förderung von Lavafontänen über. Diese steigerten sich schnell auf eine Höhe von mindestens 500 m. Die Eruptionssäule aus Lapilli, Asche und Gas wurde vom kräftigen Wind rasch gebogen und in südöstliche Richtung getragen. Um 17:34 Uhr wurde mindestens ein zweiter Schlot aktiv, der sich im unteren Abschnitt der südwestlichen Bresche öffnete. Er warf rotglühende Lava ca. 100 m hoch in südwestliche Richtung aus. Der dichte Regen aus glühendem Material ging auf den Bereich der Rampe an der südwestlichen Basis des Südostkraterkomplexes nieder. Bald steigerte sich diese Aktivität weiter und es entwickelte sich eine zweite Lavafontäne, die aber nicht ganz die Höhe der Fontäne aus dem oberen Schlot erreichte. Gegen 18:45 Uhr begannen die Lavafontänen zusammen zu fallen und wenige Minuten später hörte die explosive Aktivität ganz auf. Innerhalb der nächsten Stunde kam es noch zu Ascheemissionen und es wurde auch noch für einige Zeit Lava aus der Bresche gefördert. Diese nährte einen breiten Strom, der sich nördlich des Monte Frumento Supino in westliche Richtung bewegte. Ein großer Teilstrom fächerte sich dann in südliche Richtung auf und seine Fronten kamen im Gebiet südwestlich des Monte Frumento Supino auf ca. 2500 m Höhe zum Stillstand. Bis in die Vormittagsstunden des 05. Juli zeigte sich innerhalb der Bresche eine thermische Anomalie und es stieg Dampf auf. Vermutlich wurde dort immer noch etwas Lava gefördert oder war noch in Bewegung.

Zur Zeit bin ich am Ätna und konnte den Paroxysmus vom 04. Juli vom Touristenkomplex am Rifugio Sapienza aus beobachten. Hier einige Fotos:

In der rechten Bildhälfte sieht man die Lavafontäne aus dem oberen Schlot des Südostkraterkomplexes. Unten in der Bildmitte ist eine zweite, deutlich kleinere zu erkennen. Sie ist seit wenigen Minuten aktiv:
Kleine Lavafontäne neben Hauptfontäne
04.07.2021 17:41 Uhr

Die zweite Lavafontäne hat innerhalb von 20 Minuten deutlich an Höhe gewonnen. Die Hauptfontäne erreicht eine Höhe von mindestens 500 m. Der Paroxysmus befindet sich jetzt auf dem Höhepunkt:
Paroxysmus auf dem Höhepunkt
04.07.2021 18:00 Uhr

Die Eruptionssäule wird vom kräftigen Wind rasch in südöstliche Richtung gebogen. Unterhalb der Aschewolken sieht man dunkle Fallstreifen. Hier kommt es zu Ascheregen:
Eruptionssäule wird vom Wind rasch in südöstliche Richtung gebogen
04.07.2021 18:00 Uhr

Der Lavastrom vom Gebiet westlich des Monte Vetore aus betrachtet. Rechts der Südostkraterkomplex wo noch ein schmaler Strom durch die Bresche fließt und dann in südwestliche Richtung expandiert. In der linken Bildhälfte dehnt sich ein großer Teilstrom fächerförmig aus und bewegt sich langsam der Südflanke des Ätna hinab.:
Der Lavastrom vom Gebiet westlich des Monte Vetore aus betrachtet.
04.07.2021 20:51 Uhr

Der Tremor bewegte sich bis zum Abend des 01. Juli auf niedrigem Niveau. Kurz vor Mitternacht begann er rapide zu steigen und erreichte während dem Paroxysmus hohes Niveau. Das Maximum war etwas höher als bei den vorhergehenden paroxysmalen Phasen. Danach fiel der Tremor auf mittleres Niveau und später wieder auf niedriges. Dort verharrte er bis zum Nachmittag des 04. Juli. Nach 16.30 Uhr begann der Tremor rapide zu steigen und erreichte während dem Paroxysmus gegen 18:00 Uhr hohes Niveau. Das Maximum war etwas niedriger als bei dem Paroxysmus vom 02. Juli. Danach fiel der Tremor auf mittleres Niveau und schwankte anschließend an der Grenze zwischen niedrigem und mittlerem Niveau [1].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE


01. Juli 2021

In der letzten Woche ereigneten sich am Südostkraterkomplex weitere paroxysmale Phasen. Allerdings hat sich seit dem 28. Juni kein Paroxysmus mehr ereignet und der Tremor ist auf niedriges Niveau gefallen. Auch die seismische Aktivität blieb niedrig.

Am Abend des 25. Juni setzten gegen 20:00 Uhr strombolianische Explosionen am Südostkraterkomplex ein und der Tremor begann rapide zu steigen. Die strombolianischen Explosionen verstärkten sich schnell und gingen nach ca. 40 Minuten in eine Lavafontäne über. Neben dem Schlot im Bereich des ehemaligen Sattelkegels war auch wieder ein zweiter, etwas weiter Hang abwärts gelegener Schlot aktiv. Dieser produzierte ebenfalls Lavafontänen. Es wurde auch wieder ein Lavastrom freigesetzt, der sich durch die Bresche in der Südflanke des Kegels bewegte und sich in südwestliche Richtung ausdehnte. Die Eruptionssäule aus Lapilli, Asche und Gas stieg mehrere tausend Meter hoch und wurde vom Wind in südöstliche Richtung getragen. Gegen 21:20 Uhr sackten die Lavafontänen in sich zusammen und es kam noch zu schwachen strombolianischen Explosionen. Der Tremor begann wieder zu fallen. Der Lavastrom, der sich in südwestliche Richtung ausdehnte wurde noch ca. zwei Stunden lang genährt. Der effusive Schlot an der Ostflanke des Neuen Südostkraters steigerte während der paroxysmalen Phase seine Lavaemission kaum. Es wurde weiterhin ein kurzer Strom gefördert, der sich in südöstliche Richtung bewegte und im oberen Bereich der steilen westlichen Wand des Valle del Bove stagnierte.
Während sich die Lavaemission am effusiven Schlot des Neuen Südostkraters auch am 26. Juni fortsetzte, blieb der Südostkraterkomplex zunächst ruhig. Ab ca. 17:00 Uhr setzen dann wieder strombolianische Explosionen am Südostkraterkomplex ein. Erneut waren die beiden Schlote daran beteiligt, die bereits bei dem letzten Paroxysmus gleichzeitig aktiv waren. Gegen 18:00 Uhr gingen die Explosionen in die Freisetzung von Lavafontänen über. Diese steigerten sich schnell auf ca. 400 m Höhe und produzierten eine schwarze Säule aus Lapilli, Asche und Gas, die mehrere tausend Meter aufstieg und vom Wind in nordöstliche Richtung getragen wurde. Erneut verlies ein Lavastrom die Bresche an der Südflanke des Südostkraterkomplexes in südwestliche Richtung. Ab 18:30 Uhr ereigneten sich an den Schloten einige sehr kräftige Explosionen. Anschließend ging die explosive Aktivität zu Ende. Zwei Stunden später hörte auch die Lavaförderung auf. Der effusive Schlot an der Ostflanke des Neuen Südostkraters intensivierte ab 19:15 Uhr die Förderung von Lava und ein neuer Strom bewegte sich der steilen westlichen Wand des Valle del Bove hinab. Ab 22:00 Uhr schwächte sich die Lavaproduktion jedoch wieder ab und die Front des Stroms begann zu stagnieren.
In der Nacht auf den 27. Juni blieb der effusive Schlot an der Ostflanke des Neuen Südostkraters schwach aktiv und emittierte einen kurzen Lavastrom. Am Südostkraterkomplex waren entlang der inneren Kraterwände des länglichen zentralen Kraters, der den alten Südostkrater vom neuen Südostkrater trennt noch einige glühende Punkte erkennbar, die vom letzten Paroxysmus stammten. Auch innerhalb der Bresche gab es einige glühende Bereiche. Am Morgen des 27. Juni setzten dann um kurz nach 09:00 Uhr erste strombolianische Explosionen am Schlot innerhalb des zentralen Kraters ein. Ab ca. 10:30 Uhr intensivierten sie sich und schleuderten glühendes Material in die Umgebung. Nun begann auch wieder ein schmaler Lavastrom durch die Bresche zu strömen und sich der Südflanke des Kegels hinab zu bewegen. Gegen 11:00 Uhr gingen die strombolianischen Explosionen in die Freisetzung einer Lavafontäne über. Diese erreichte nach einigen Minuten eine Höhe von ca. 400 - 500 m. Die dunkle Eruptionssäue aus Lapilli, Asche und Gas stieg mehrere tausend Meter hoch auf und wurde vom Wind in östliche Richtung getragen. Im weiteren Verlauf der paroxysmalen Phase wurden zwei weitere Schlote aktiv, die etwas weiter Hang abwärts im Bereich der Bresche lokalisiert waren. Gegen 12:30 Uhr hörte die explosive Aktivität wieder auf und kurze Zeit später wurde auch keine Lava mehr durch die Bresche gefördert. Der effusive Schlot an der Ostflanke des Neuen Südostkraters stellte während dem Paroxysmus seine schwache Aktivität ganz ein. Im weiteren Verlauf war nur noch etwas Gasemission am Südostkraterkomplex erkennbar.
Am 28. Juni war der Südostkraterkomplex zunächst noch ruhig und setzte nur etwas Gas frei. Gegen 16:00 Uhr kam es dann zu ersten milden strombolianischen Explosionen am bekannten Schlot, die mit etwas Ascheemission verbunden waren. Ab ca. 16:30 Uhr intensivierten sich die Explosionen deutlich und schleuderten glühendes Material bis auf die Südflanke des Neuen Südostkraters. Gleichzeitig begann Lava durch die Bresche zu strömen. Sie verließ den Kegel dann in südwestliche Richtung. Wenige Minuten später schossen dann Lavafontänen aus mindestens einem Schlot und der Tremor erreichte hohes Niveau. Die Lavafontänen wuchsen rasch auf mindestens 400 m Höhe. Eine dunkle Eruptionssäule stieg dank Windstille senkrecht empor. Das INGV gab ihre maximale Höhe mit 10.000 m an. Erst dann wurde sie vom Wind in südliche bis südöstliche Richtung getragen. Ab 17:30 Uhr fielen die Lavafontänen wieder in sich zusammen. Die Förderung von Lava durch die Bresche dauerte noch bis ca. 19:00 Uhr an und die Front des Lavastroms tauchte zu diesem Zeitpunkt westlich vom Monte Barbagallo auf und nahm Kurs auf den Monte Frumento Supino. Nach 20:00 Uhr stoppte der Lavastrom dann. Der Tremor fiel schnell auf niedriges Niveau. Der effusive Schlot an der Ostflanke des Neuen Südostkraters blieb während diesem Paroxysmus inaktiv.
An den Folgetagen kam es an allen Gipfelkratern lediglich zu ruhiger Gasemission.

Wie das INGV berichtet waren von den Lavaströmen, die während den paroxysmalen Phasen zwischen dem 22. und 27. Juni in östliche Richtung eruptiert wurden, der Lavastrom vom 23. Juni der längste und auch Volumenreichste. Er hatte ein Volumen von 1,1 Mio m3 und eine Länge von 2 Km. Seine Front stoppte am Rand vom Valle del Bove auf 2200 m Höhe.
Von den Lavaströmen, die sich in südwestliche Richtung bewegten war der Strom vom 27. Juni mit 2,2 Km der Längste. Seine Front stoppte auf 2660 m Höhe im Gebiet westlich des Monte Frumento Supino. Alle übrigen Lavaströme waren kürzer und hatten ein Volumen von teilweise deutlich unter einer 1 Mio m3 [1].

Die Messung der Infraschallaktivität zeigte während den paroxysmalen Phasen des Südostkraterkomplexes eine hohe Anzahl an Ereignissen. Während den Ruhephasen kam es nur zu wenigen Ereignissen. Quelle war in diesem Fall die Bocca Nuova [1].

Die Auswertung der Daten der GPS-Stationen ergab für den Zeitraum vom 21.06. bis 27.06. eine Fortdauer des Trends zur leichten Deflation des Vulkangebäudes [1].
Die Stationen des klinometrischen Netzwerks zeichneten während den paroxysmalen Phasen leichte Veränderungen in der Neigung des Vulkangebäudes auf [1].

Im Zeitraum vom 21.06. bis 27.06. bewegten sich die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater auf mittlerem Niveau. Die Spitzenemissionsraten erreichten hohes Niveau. Der Trend zu einer Steigerung der Schwefeldioxidemissionen hält weiterhin an. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) erreichten zwischen dem 21.06. und 27.06. hohes Niveau. Der seit April andauernde Trend zur Steigerung dauert an.
Die Konzentration der Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 21. Juni bestimmt wurde, ergab mit 0.68 einen etwas höheren Messwert, als bei der letzten Untersuchung. Somit hat sich der seit März andauernde leicht fallende Trend offenbar umgekehrt [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE zeigten während den paroxysmalen Phasen wie üblich kräftiges Rauschen, was durch den hohen Tremor verursacht wurde. Zwischen diesen Episoden wurden nur vereinzelt schwache langperiodische Signale detektiert. Es kam aber auch zu mehrere Minuten andauernden Phasen mit erhöhtem Rauschen. Seit dem 29. Juni ist das Seismogramm ungewöhnlich ruhig.
Der Tremor erreichte in der letzten Woche während den paroxysmalen Phasen wie üblich hohes Niveau. Allerdings zeigte sich insgesamt ein Trend zur Abschwächung bei der maximalen Intensität. Nach dem Paroxysmus vom 28. Juni fiel der Tremor auf niedriges Niveau und hält sich seitdem dort [2].

Am 28. Juni wurde im Bereich des Zentralkraters ein Beben der Stärke 1.8 gemessen [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2021. Etna - Bollettino settimanale, 21/06/2021 - 27/06/2021
  2. INGV-Sezione di Catania. 2021. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2021.


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