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Ätna Update (03.07. - 06.08.2020)

Dampfender Ätna

Aktuelle Informationen über die Tätigkeit des Vulkans


In Abhängigkeit von der Aktivität des Ätna, berichte ich hier in mehr oder weniger großer Regelmäßigkeit über die neuesten Ereignisse an diesem prächtigen Vulkan. Diese Informationen stelle ich aus diversen Quellen, wie Institute bzw. Organisationen, Websites von Vulkanologen und eigenen Beobachtungen (meist über Webcams) zusammen. Die verwendeten Quellen werden jeweils am Ende einer Nachricht genannt. Alle Uhrzeiten sind in Ortszeit (MEZ bzw. MESZ). Für die Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Updates kann ich leider keine Gewähr geben. Ich versuche jedoch immer so gründlich wie möglich zu arbeiten.
Planen Sie eine Reise zum Ätna? Dann beachten Sie unbedingt meine Seite mit den Reise- und Warnhinweisen. Hier gibt es viele Tipps und nützliche Links zum Thema Buchung, Anreise, Unterkunft und insbesondere zum Wandern auf dem Ätna, aber auch wichtige Informationen über die Gefahren.
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06. August 2020

Im Verlauf der letzten Woche hat der Sattelschlot des Südostkraterkomplexes seine Aktivität noch etwas verstärkt und es kam zu einigen Phasen mit strombolianischer Aktivität. Auch der Tremor ist gestiegen.

In den vergangenen Tagen kam es am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes meist zu milder, tiefsitzender strombolianischer Aktivität. Im Laufe der Woche häuften sich aber auch kurze Phasen, die von etwas stärkeren strombolianischen Explosionen geprägt waren. Dann wurden glühendes pyroklastisches Material und Bomben auf die unmittelbare Umgebung des Schlots geschleudert. Manchmal rollten auch glühende Bomben der südlichen Flanke des Südostkraterkomplexes hinab. Auch gab es wieder Phasen von Ascheemissionen. Die Gasemissionen waren anhaltend und pulsartig verstärkt.
Am Intrakraterkegel der Voragine kam es zu sporadischen strombolianischen Explosionen. Sie traten mal häufiger und mal weniger häufig auf.
Die Bocca Nuova setzte anhaltend Gas aus ihrem zentralen Schlot frei.
Der Nordostkrater erzeugte weiterhin laute Detonationen, die von tiefsitzenden strombolianischen Explosionen generiert wurden. Die Gasemission war dort relativ gering.

Dieses Foto, das ich am Abend des 03. August vom Schiena dell'Asino (Südostflanke) aus machen konnte zeigt die pulsartig verstärkte Gasemission aus dem Sattelschlot des Südostkraterkomplexes:
Pulsartig verstärkte Gasemission aus dem Sattelschlot
03.08.2020 18:11 Uhr

Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Gasfahne über dem Sattelschlot durch die milde, meist tiefsitzende strombolianische Aktivität rötlich illuminiert. Ein kräftiger südwestlicher Wind verbiegt die Gasfahne nach Nordosten:
Tiefsitzende strombolianische Aktivität illuminiert Gasfahne des Sattelschlots
03.08.2020 20:50 Uhr

Heute Mittag kam es am Sattelschlot wieder zu einer Phase erhöhter Aktivität. Zunächst wird aus dem Schlot unter lautem Fauchen dunkle Asche emittiert, die vom kräftigen Wind in östliche Richtung getrieben wird:
Ascheemission unter lautem Fauchen aus Sattelschlot
06.08.2020 11:43 Uhr

Dann folgen einige strombolianische Explosionen. Dabei wird heißes pyroklastisches Material 50 - 100 m hoch ausgeworfen. Einige größere Bomben werden nur etwas höher als der Kraterrand geschleudert und landen mit polterndem Geräusch wieder im Krater:
Strombolianische Explosionen mit Bomben am Sattelschlot
06.08.2020 12:07 Uhr

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 27.07. bis 02.08.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung [1].

Die Daten der Infraschallaktivität zeigten zwischen dem 27.07. und 02.08.2020 lediglich niedrige Werte [1].

Zwischen dem 27.07. und 02.08. blieb die Rate an Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern im Vergleich zur Vorwoche unverändert. Die Messwerte lagen mehrmals bei über 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Im gleichen Zeitraum nahmen die Chlorwasserstoffemissionen im Vergleich zur letzten Messung etwas zu. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen im gleichen Zeitraum deutlich zurück. Die jüngste Messung zur Freisetzung von Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 27. Juli durchgeführt wurde ergab mit 0.66 erneut einen niedrigeren Messwert als bei der letzten Untersuchung [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren in der letzten Woche weiterhin von leichtem Rauschen dominiert, das alle übrigen Signale überlagerte. Das Rauschen wurde durch erhöhten Tremor erzeugt. Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche meist auf mittlerem Niveau und unterlag deutlichen Schwankungen. Insgesamt zeigte sich jedoch ein ansteigender Trend und ab dem 05. August wurde vorübergehend mehrmals hohes Niveau erreicht [2]. Zwischen dem 27.07. und 02.08.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater in der Nähe der Oberfläche [1].

Am 02.08. ereigneten sich am Monte Centenari (Ostflanke) zwei Beben, die Magnituden von 1.8 erreichten [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 27/07/2020 - 02/08/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


31. Juli 2020

Auch in der letzten Woche war der Sattelschlot des Neuen Südostkraters recht aktiv und produzierte strombolianische Explosionen und Ascheemissionen. Am Intrakraterkegel der Voragine hat die explosive Aktivität wieder zugenommen.

Seit dem 27. Juli befinde ich mich am Ätna und kann die Aktivität im Gipfelbereich direkt beobachten.
In der vergangenen Woche wechselten sich am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes weiterhin Phasen erhöhter strombolianischer Aktivität mit Phasen tiefsitzender explosiver Aktivität ab. Zwischenzeitlich kam es auch immer wieder zu Ascheemissionen, die vor allem dann auftraten, wenn die Intensität der Aktivität wechselte. Einige stärkere strombolianische Explosionen schleuderten das glühende pyroklastische Material auf den Rand des Schlots, wobei einige Bomben auch der südlichen Flanke des Südostkraterkomplexes hinab rollten. Phasenweise kam es auch zur Freisetzung von bläulichem Gas unter starker Geräuschentwicklung; das Fauchen war bis hinunter zum Touristenkomplex am Rifugio Sapienza zu hören.
Am Intrakraterkegel der Voragine ereigneten sich einzelne Explosionen. Dabei wurden kleine bräunliche Aschewolken freigesetzt. Häufig waren die Ascheemissionen auch von glühendem pyroklastischen Material und Lavabomben durchsetzt. In den Nächten auf den 30. Juli bzw. 31. Juli konnte ich über die La Montagnola Webcam des INGV strombolianische Explosionen erkennen, bei denen glühendes Material ca. 100 m höher als der Kraterrand der Voragine geschleudert wurde. Am Morgen des 31. Juli traten die Explosionen ca. alle 15 - 20 min. auf.
Am Nordostkrater kam es zu tiefsitzenden strombolianischen Explosionen. Manchmal generierten sie lauten Donner, der im gesamten Gipfelbereich hörbar war. Am 31. Juli ereigneten sich diese Explosionen alle 2 - 3 Minuten.

Nachfolgend einige Fotos (Videos werden diesem Update noch zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt) von der Aktivität am Südostkraterkomplex:
Emission von Dampf, Gas und Asche aus dem Sattelschlot
28.07.2020 11:50 Uhr
Blick vom La Montagnola auf den Südostkraterkomplex. Begleitet von lautem Fauchen werden aus dem Sattelschlot nahezu anhaltend Dampf und Gas ausgestoßen, die mal mit mehr und mal mit weniger grauer Asche durchsetzt sind.
Gas- und Aschesäule aus Sattelschlot über dem La Montagnola
28.07.2020 15:25 Uhr
Die Emissionen aus dem Sattelschlot erzeugen eine Gas- und Aschesäule, die weithin sichtbar ist. Hier geht der Blick von Süden (SP92 am Rifugio Sapienza) in nördliche Richtung zum La Montagnola.
Intensivere Ascheemissionen am 29. Juli
29.07.2020 13:07 Uhr
Heute sind die Aschefreisetzungen intensiver als an den Vortagen. Manchmal schießen sogar kleine Fontänen aus dunkler Asche aus dem Sattelschlot empor.
Aschesäule über dem Südostkraterkomplex zieht nach Süden
29.07.2020 15:12 Uhr
Blick von der westlichen Basis des Monte Barbagallo (2002-/03-Krater) nach Norden auf den Südostkraterkomplex. Die Asche wird vom Wind meist in südliche Richtung getragen und sorgt am Rifugio Sapienza für leichten Ascheregen.

Dieses Foto, das am heutigen Morgen entstand zeigt eine Explosion am Intrakraterkegel der Voragine. Neben Asche werden auch Bomben und Lapilli ausgeworfen:
Ascheemission am Intrakraterkegel der Voragine
31.07.2020 10:33 Uhr

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 20.07. bis 26.07.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung. Allerdings zeigte sich an einer Station (CBD, Nordostflanke) eine leichte Veränderung bei den klinometrischen Daten, die nach einem Erdbeben der Stärke 2.9 am 26. Juli in der Nähe des Pizzi Deneri auftraten [1].

Die Infraschallaktivität nahm im Zeitraum vom 20.07. bis 26.07. etwas zu. Quelle der Aktivität war der Südostkraterkomplex [1].

Zwischen dem 20.07. und 26.07. gingen die Schwefeldioxidemissionen an den Gipfelkratern im Vergleich zur Vorwoche etwas zurück. Die Messwerte lagen mehrmals bei über 5000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) gingen im gleichen Zeitraum deutlich zurück [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren in der letzten Woche zeitweise von leichtem Rauschen überlagert, das von erhöhtem Tremor verursacht wurde. Während den kurzen Phasen niedrigeren Tremors waren einige langperiodische Signale erkennbar.
Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche auf mittlerem Niveau und unterlag dabei starken Schwankungen [2].
Zwischen dem 20.07. und 26.07.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater auf einer Höhe von etwa 2800 - 3000 m [1].

Vom 24.07. bis 25.07. kam es im Gebiet des Zentralkraters zu einer Serie sehr schwacher Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.4 erreichte. Am 24.07. kam es westlich des Monte Minardo (Westflanke) zu einem Beben der Stärke 1.8. Am 24.07. wurde südwestlich von Bronte (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 1.6 registriert. Am 26.07. kam es am Pizzi Deneri (Nordostflanke), sowie etwas südöstlich davon zu einer kleinen Erdbebenserie. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2.9, einige weitere Erdstöße hatten Magnituden um 2.0. Die Beben ereigneten sich in einer Tiefe von ca. 3 - 5 Kilometern. Am 29.07. wurde bei Santa Maria di Licodia (Südwestflanke) ein Beben der Stärke 1.5 gemessen. Am 30.07. kam es am Monte Scorsone (Ostflanke) zu einem Beben der Stärke 1.5 [3].
  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 20/07/2020 - 26/07/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


24. Juli 2020

Während der letzten Woche kam es am Südostkraterkomplex wiederholt zu Phasen erhöhter strombolianischer Aktivität. Während sich der Tremor auf mittlerem Niveau hielt, hat die seismische Aktivität deutlich zugenommen.

In der vergangenen Woche wechselten sich am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes immer wieder Phasen erhöhter strombolianischer Aktivität mit Phasen tiefsitzender strombolianischer Aktivität ab. Währen der erhöhten Aktivität wurde glühendes pyroklastisches Material mindestens 100 m höher als der Kraterrand geschleudert und regnete meist auf die umliegende Umgebung des Sattelschlots ab. Bei einigen stärkeren Explosionen ging das Material aber auch auf die Süd- bis Südostflanke des Neuen Südostkraters nieder. Diese eruptiven Phasen waren häufig auch mit verstärkten Ascheemissionen verbunden, wobei meist anhaltend bräunliches bis dunkelgraues Material ausgestoßen wurde. Während den ruhigeren Phasen konnte ich nachts Glutschein wechselnder Intensität erkennen und am Tage zeigte sich pulsartig verstärkte Gasemission ohne nennenswerte Ascheemissionen.
An den übrigen Gipfelkratern konnte ich die üblichen Gasemissionen beobachten. An der Voragine kam es zeitweise zu anhaltenden aber leichten Emissionen von feiner bräunlicher Asche.

Dieses Webcam-Foto vom heutigen Vormittag zeigt eine kleine Aschesäule über dem Sattelschlot des Südostkraterkomplexes, die sich während einer Phase erhöhter Aktivität entwickelte. Dabei wird pulsartig verstärkt graue Asche emittiert und es kommt außerdem zur Freisetzung von heißem Material:
Aschesäule über dem Sattelschlot des Südostkraterkomplexes
Foto vom 24.07.2020, 11:12 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 13.07. bis 19.07.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung [1].

Die Infraschallaktivität ging im Zeitraum vom 13.07. bis 19.07.2020 im Vergleich zur Vorwoche zurück. Eine hauptsächliche Quelle der Aktivität konnte nicht bestimmt werden [1].

Im Zeitraum vom 13.07. bis 19.07. stiegen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche an. Einige Messwerte lagen oberhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Die Messwerte für Chlorwasserstoff zeigten im gleichen Zeitraum einen leichten Anstieg gegenüber der letzten Messung und bewegten sich unterhalb des normalen Niveaus. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) stiegen bis zum 17.07. rasch an, gingen danach aber wieder etwas zurück. Insgesamt bewegten sie sich auf mittlerem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren in der letzten Woche weiterhin von leichtem Rauschen dominiert, das alle übrigen Signale überlagerte. Das Rauschen wurde durch erhöhten Tremor erzeugt.
Der Tremor bewegte sich in der letzten Woche auf mittlerem Niveau und unterlag starken Schwankungen [2].
Zwischen dem 13.07. und 19.07.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater auf einer Höhe von etwa 2800 - 3000 m [1].

Am 17.07. kam es nordöstlich des Monte Centenari (Ostflanke) zu einem Beben der Stärke 2.5. Am 17.07. wurde am Monte Scorsone (Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.6 registriert. Am 17.07. kam es bei Maletto (Nordwestflanke) zu einem Beben mit einer Magnitude von 1.7. Am 18.07. wurde westlich des Monte Frumento Supino (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.5 registriert. Am 19.07. ereigneten sich nordwestlich des Piano Pernicano (Nordostflanke) zwei Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.8 hatte. Am 19. und 20.07. kam es nördlich des Monte Centenari zu mehreren schwachen Beben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.9 hatte. Am 20.07. wurden im Raum Monte Denza - Monte Palestra (Südwestflanke) zwei Beben mit Magnituden von 1.6 verzeichnet. Am 21.07. kam es bei Ragalna (Südflanke) zu mehreren Erdbeben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 1.9 hatte. Am 21.07. wurden am Monte Scorsone zwei Beben registriert. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 1.7. Am 22.07. ereignete sich südöstlich des Pizzi Deneri (Nordostflanke) eine kleine Erdbebenserie. Hier hatte das stärkste Beben eine Magnitude von 2.0. Am 24.07. kam es südöstlich von Ragalna zu einem Beben der Stärke 2.1 [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 13/07/2020 - 19/07/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


17. Juli 2020

Im Laufe der letzten Woche hat die strombolianische Aktivität am Sattelschlot des Neuen Südostkraters deutlich zugenommen. Der Tremor unterlag dabei deutlichen Schwankungen bewegte sich aber auf mittlerem Niveau.

In der vergangenen Woche hüllten sich die Gipfelkrater des Ätna tagsüber meist in Wolken. In den Nächten und während den frühen Morgenstunden waren die Beobachtungsbedingungen dagegen überwiegend gut. Am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes zeigte sich zunächst pulsierender Glutschein, der auf tiefsitzende strombolianische Explosionen schließen ließ. Am Morgen des 12.07. kam es dort dann wiederholt zur Emission von bräunlichen Aschewolken. Am 13.07. setzten sich diese Emissionen fort und es wurde auch vermehrt dunkle Asche freigesetzt. In der Nacht auf den 14. Juli kam es dann an dem Sattelschlot zu stärkeren strombolianischen Explosionen. Diese Explosionen schleuderten das glühende pyroklastische Material bis etwa 100 m in die Höhe bevor es auf die Umgebung des Schlots niederregnete und teilweise sogar die südliche bis südöstliche Basis des Neuen Südostkraters erreichte. Am Abend des 14. Juli waren dann wieder kräftige strombolianische Explosionen an dem Schlot erkennbar, die auch in der Nacht auf den 15. Juli andauerten. Schlechtes Wetter behinderte im Tagesverlauf und auch in der Nacht die weitere Beobachtung, aber am frühen Morgen des 16. Juli lockerten die Wolken wieder auf und es waren weiterhin kräftige Explosionen erkennbar, die häufig glühendes Material auf die südliche Flanke des Neuen Südostkraters schleuderten. Eine ähnliche Aktivität zeigte sich auch in der vergangenen Nacht.
Über der Voragine waren nur gelegentlich schwache Ascheemissionen zu sehen. Einmal konnte ich aber auch eine strombolianische Explosion erkennen bei der glühendes Material mindestens 100 m höher als der Kraterrand der Voragine geschleudert wurde. Diese Explosion ereignete sich am Abend des 14. Juli.
Am Nordostkrater und an der Bocca Nuova konnte ich in der letzten Woche nur leichte Gasemission erkennen.

Dieses Webcam-Foto zeigt eine strombolianische Explosion über der Voragine (links) am Abend des 14. Juli. Am Intrakraterkegel ereignen sich zurzeit nur sporadisch solche Ereignisse und meist wird nur altes Material freigesetzt:
Strombolianische Explosion über der Voragine
Foto vom 14.07.2020, 21:45 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Bei Besuchen der Gipfelkrater durch INGV-Personal zwischen dem 08. und 10. Juli wurden am Intrakraterkegel der Voragine sporadische Explosionen beobachtet bei denen etwas Asche (altes Material) freigesetzt wurde. Am Kollapskrater der Bocca Nuova kam es nur zu schwacher Gasemission. Am Nordostkrater kam es zu tiefsitzender Aktivität verbunden mit pulsartigen und schnellem Gasausstoss [1].

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 06.07. bis 12.07.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung [1].

Die Daten der Infraschallaktivität zeigten zwischen dem 06.07. und 12.07.2020 insgesamt moderate Werte. Quelle der Ereignisse war zunächst der Südostkraterkomplex und ab dem 09. Juli der Nordostkrater [1].

Im Zeitraum vom 06.07. bis 12.07. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche etwas zurück. Die Messwerte lagen stets unterhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Chlorwasserstoff konnten nicht gemessen werden. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) hielten sich zwischen dem 06.07. und 12.07. auf mittlerem Niveau. Die jüngste Messung zur Freisetzung von Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 01. Juli durchgeführt wurde ergab mit 0.69 erneut einen niedrigeren Messwert als bei der letzten Untersuchung [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren in der letzten Woche weiterhin von leichtem Rauschen dominiert, das alle übrigen Signale überlagerte. Das Rauschen wurde durch erhöhten Tremor erzeugt. Der Tremor bewegte sich in der vergangenen Woche auf mittlerem Niveau, wobei die Intensität der Schwankungen im Laufe der Zeit zunahm. Teilweise kam es zu schnellen Sprüngen zwischen niedrigem und hohem Niveau [2].
Zwischen dem 06.07. und 12.07.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater auf einer Höhe von etwa 2900 - 3000 m [1].

Am 11.07. wurde nordwestlich des Monte Spagnolo (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 1.9 gemessen. Am 13.07. kam es am Monte Minardo (Westflanke) zu einem Beben der Stärke 1.6. Am 15.07. ereigneten sich südöstlich von Ragalna (Südflanke) mehrere Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 3.0. Die Beben ereigneten sich in sehr geringer Tiefe. Am 16.07. kam es nördlich von Maletto (Nordwestflanke) zu zwei Beben die Magnituden von 1.7 bzw. 2.7 erreichten [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 06/07/2020 - 12/07/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


10. Juli 2020

In den vergangenen Tagen nahm die Aktivität am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes zu und es kam zu kurzen Phasen mit strombolianischen Explosionen. Im Nordostkrater wurden tiefsitzende strombolianische Explosionen beobachtet. Die seismische Aktivität hat unterdessen wieder etwas zugenommen.

Schlechtes Wetter behinderte in der vergangenen Woche zeitweise die Beobachtung der Gipfelkrater mittels Webcams. Während den wolkenfreien Stunden zeigte sich am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes pulsartig verstärkte Gasemission. In den Nächten war weiterhin leichter Glutschein über dem Schlot erkennbar, der durch tiefsitzende strombolianische Aktivität verursacht wurde. Am frühen Morgen des 09. Juli verstärkte sich ab 03:45 Uhr plötzlich die Aktivität am Schlot und der Glutschein intensivierte sich deutlich. Es kam zu etwas stärkeren strombolianischen Explosionen, die auch glühendes Material aus dem Schlot herausschleuderten. Ab 04:45 Uhr ging diese kurze Phase verstärkter Aktivität bereits wieder zu Ende und es zeigte sich lediglich pulsierender Glutschein über dem Schlot. Gleichzeitig ging der Tremor, der sich zuvor auf hohem Niveau befand, rasch auf mittleres Niveau zurück. In der vergangenen Nacht war dann zunächst nur pulsierender Glutschein erkennbar. Gegen 03:00 Uhr setzten dann wieder etwas stärkere Explosionen ein und gelegentlich wurde glühendes Material auf die Südflanke des Neuen Südostkraters ausgeworfen. Bis ca. 05:00 Uhr ereigneten sich weitere Explosionen. Dann verhinderte die zunehmende Helligkeit die weitere Beobachtung der Aktivität.
An den übrigen Gipfelkratern konnte ich in der letzten Woche nur die gewohnten Gasemissionen beobachten.

Auf diesem Webcam Foto, das am frühen Morgen des 09. Juli entstand, kann man die strombolianische Aktivität am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes erkennen. Glühendes Material wird dabei ca. 100 m hoch ausgeworfen bevor es auf die südliche Flanke des Neuen Südostkraters herabregnet:
Strombolianische Explosion am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes
Foto vom 09.07.2020, 04:06 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Am 03. Juli wurden die Gipfelkrater von INGV-Personal besucht. Hier eine kurze Zusammenfassung des Berichts:
Am Kollapskrater der Bocca Nuova, der sich in ihrem zentralen Bereich befindet, steigt vom Kraterboden nur wenig Gas auf. Im südlichen Abschnitt des Kraterbodens, sowie entlang des Lavastroms, der bis Ende April von der Voragine in die Bocca Nuova floss, befindet sich ein Fumarolensystem. Aus dem Intrakraterkegel der Voragine wird nur wenig Gas freigesetzt. Auf dem Kraterboden des Nordostkraters setzt ein Schlot Gas frei. Dabei kommt es innerhalb des Schlots gelegentlich zu strombolianischer Aktivität [1].

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 29.06. bis 05.07.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung [1].

Zwischen dem 29.06. und 05.07. ging die Infraschallaktivität an den Gipfelkratern im Vergleich zur Vorwoche etwas zurück. Quelle der Aktivität war der Südostkraterkomplex [1].

Im Zeitraum vom 29.06. bis 05.07. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche deutlich zurück. Die Messwerte lagen stets unterhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Auch die Messwerte für Chlorwasserstoff gingen im gleichen Zeitraum zurück. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) schwankten zwischen dem 29.06. und 05.07. auf mittlerem Niveau. Die jüngste Messung zur Freisetzung von Heliumisotope (3He/4He - Verhältnis) im Ätna-Gebiet, die am 12. Juni durchgeführt wurde ergab einen niedrigeren Messwert als bei der letzten Untersuchung, womit sich der seit Februar anhaltende Trend zu geringeren Messwerten fortsetzte [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren in der letzten Woche weiterhin von leichtem Rauschen dominiert, das alle übrigen Signale überlagerte. Das Rauschen wurde durch hohen Tremor erzeugt. In der vergangenen Woche schwankte der Tremor zunächst auf erhöhtem Niveau und erreichte am 07. Juli einen vorläufigen Höhepunkt. Am 09.07. fiel er rasch auf mittleres Niveau und hielt sich dort auch noch heute [2].
Zwischen dem 29.06. und 05.07.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater auf einer Höhe von etwa 2900 - 3000 m [1].

Vom 03. bis 04.07. ereignete sich westlich des Ätna, in einem Gebiet ca. 8 Km nordöstlich von Regalbuto, eine Erdbebenserie. Die stärksten Erschütterungen erreichten dabei Magnituden von bis zu 2.0. Die Beben fanden in einer Tiefe von ca. 15 Km statt. Am 04.07. wurde am Pizzi Deneri (Nordostflanke) ein Beben der Stärke 1.7 registriert. Am 04.07. kam es im Bereich des Zentralkraters zu einem Beben der Stärke 1.5. Zwischen dem 05. und 09.07. ereigneten sich im Gebiet rund um den Monte Centenari (Ostflanke) mehrere Erdbeben, wobei das Stärkste eine Magnitude von 2.0 hatte. Am 05.07. wurde östlich von Bronte (Nordwestflanke) ein Beben der Stärke 2.0 gemessen. Am gleichen Tag kam es östlich von Maletto (Nordwestflanke) zu einem Beben der Stärke 1.9. Am 08.07. wurde im Bereich des Zentralkraters ein Beben der Stärke 1.9 gemessen. Am 09.07. kam es am Pizzi Deneri zu einem Beben mit einer Magnitude von 1.8. Am 10.07. wurde westlich des Monte Frumento Supino (Südflanke) ein Beben der Stärke 1.5 registriert [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 29/06/2020 - 05/07/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


03. Juli 2020

In der vergangenen Woche setzte sich die tiefsitzende strombolianische Aktivität am Südostkraterkomplex fort und der Tremor bewegte sich nach wie vor auf hohem Niveau. An der Voragine wurde dagegen lediglich etwas Asche emittiert.

Während den Nächten der letzten Woche zeigte sich am Südostkraterkomplex weiterhin pulsierender Glutschein. Dieser wurde von tiefsitzender strombolianischer Aktivität am Sattelschlot verursacht. Am Tage war dort kräftige und pulsartig verstärkte Gasemission erkennbar. An den übrigen Gipfelkratern konnte ich lediglich normale Gasfreisetzung beobachten. An der Voragine wurde sporadisch und in geringen Mengen bräunliche Asche emittiert.

Dieses Webcam-Foto, das am frühen Morgen des 01. Juli entstand zeigt den Glutschein am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes. Er wird durch tiefsitzende strombolianische Explosionen verursacht, die die aus dem Schlot austretenden Gaswolken illuminieren:
Glutschein am Sattelschlot des Südostkraterkomplexes
Foto vom 01.07.2020, 04:42 Uhr: Webcam des INGV auf dem La Montagnola.

Am 25. und 26. Juni wurde der Gipfelkraterbereich von INGV-Personal besucht. Dabei kam neben einem Helikopter auch eine Wärmebildkamera zum Einsatz. Hier eine kurze Zusammenfassung des Berichts:
Die Aktivität der Gipfelkrater zeigt gegenüber der Vorwoche keine signifikanten Veränderungen. Am Südostkraterkomplex und am Nordostkrater kommt es zu intensiver Gasentwicklung, während die Gasemissionen an Voragine und Bocca Nuova untergeordnet sind. Der Kollapskrater, der sich im Zentrum der Bocca Nuova entwickelt hat zeigt keine thermischen Anomalien und setzt nur wenig Gas frei. Abgesehen vom Kraterboden tritt auch Gas aus einem Fumarolensystem an seiner südlichen Wand aus. Die Temperatur beträgt ca. 250°C (+/- 50°C). Das aus der Voragine emittierte Lavafeld in der Bocca Nuova ist am Abkühlen und hat eine Temperatur von ca. 250°C. Der Intrakraterkegel der Voragine setzt sporadisch geringe Mengen von Asche frei. Die Temperatur in seinem Inneren beträgt ca. 350°C. Der Nordostkrater zeigt normale Gasemission mit nur geringen thermischen Anomalien am Kraterboden. Am Neuen Südostkrater kommt es am Sattelschlot zu milder und tiefsitzender strombolianischer Aktivität, sowie zu intensiver pulsartiger Gasemission. In der Nacht zeigt sich dadurch pulsierender Glutschein. Dabei wird jedoch kein pyroklastisches Material an die Oberfläche geschleudert und während der Überwachung war auch keine thermische Anomalie erkennbar [1].

Die Auswertung der GPS-Stationen über den Zeitraum vom 22.06. bis 28.06.2020 ergab keine Veränderungen zur letzten Messung [1].

Zwischen dem 22.06. und 28.06. blieb die Infraschallaktivität an den Gipfelkratern niedrig. Quelle der Aktivität war der Südostkraterkomplex [1].

Im Zeitraum vom 22.06. bis 28.06. gingen die Schwefeldioxidemissionen der Gipfelkrater im Vergleich zur Vorwoche zurück. Die Messwerte lagen unterhalb von 5.000 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag. Die Messwerte für Chlorwasserstoff zeigten keine Veränderungen und blieben somit weiterhin unterdurchschnittlich. Die Boden-Kohlendioxid-Emissionen (Station ETNAGAS) veränderten sich zwischen dem 22.06. und 28.06. nicht und bewegten sich auf mittlerem Niveau [1].

Die Online-Seismogramme der Station ECNE (Nordostkrater) waren auch in der letzten Woche von leichtem Rauschen dominiert, das alle übrigen Signale überlagerte. Das Rauschen wurde durch hohen Tremor erzeugt.
In der vergangenen Woche schwankte der Tremor auf erhöhtem Niveau und ging nur vorübergehend auf mittleres Niveau zurück [2].
Zwischen dem 22.06. und 28.06.2020 befand sich die Quelle des Tremors unter dem Neuen Südostkrater auf einer Höhe von etwa 2900 - 3000 m [1].

Am 27.06. wurde westlich von Contrada Feliciosa (Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.9 gemessen. Am 27.06. wurde nordwestlich von Adrano (Südwestflanke) ein Erdbeben mit einer Magnitude von 2.9 registriert.
Am 28.06. kam es nordöstlich des Monte Collabasso (Nordflanke) zu einem Beben der Stärke 1.6. Am 29.06. ereigneten sich bei Milo (Ostflanke) zwei Beben mit Magnituden von 1.6 bzw. 1.7. Am 30.06. wurde am Monte Arcimis (Südflanke) ein Beben mit einer Magnitude von 1.9 gemessen. Am 02.07. wurde am Monte Centenari(Ostflanke) ein Beben der Stärke 1.5 verzeichnet [3].

  1. INGV-Sezione di Catania. 2020. Etna - Bollettino settimanale, 22/06/2020 - 28/06/2020
  2. INGV-Sezione di Catania. 2020. Home. TREMORE VULCANICO. ECNE
  3. INGV. Osservatorio Etneo. Sorveglianza e Monitoraggio. DATABASE TERREMOTI. Localizzazioni di sala operativa. 2020.


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